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Tartufo bianco

veröffentlicht um 07.11.2013, 08:29 von Urs Messerli   [ aktualisiert: 07.11.2013, 08:31 ]

Zurück aus dem Piemont habe ich viele tolle Eindrücke mitgebracht.

Im Castello di Villa, einem kleinen und reizvollen Boutique Hotel, welches zur Schweizer Sunstar Hotelkette gehört in der Nähe von Asti, durfte ich über mehrere Tage einen Kochkurs leiten.

Auch auf dem Programm stand ein Marktbesuch in Asti mit Besuchen in verschiedenen Weinkellern. Nicht fehlen durfte der zu diesem Zeitpunkt obligate, weisse Trüffelmarkt in Alba. Hier hatten wir die Gelegenheit, mit einem Trifulau und seinen zwei Hunden auf die Suche nach den begehrten weissen Knollen, respektive unter der Erde gedeihende Pilze zu begleiten.

In einer Stunde konnten wir zusammen mit den Hunden tatsächlich 3 der aromaintensiven und sagenumwobenen weissen Trüffel ausbuddeln.
Die am Abend selbst gemachten Tajarin schmeckten uns deshalb doppelt und dreifach!

Das hügelige Piemont und seine Bewohner sind für mich „oder waren es immer“ ein Paradebeispiel von einem hervorragenden Regionalmarketing.
Das Einzugsgebiet ist gross und ja, es hat neben den paar hervorragenden Agrarprodukten wie Haselnüssen, Käse, Fleisch und Gemüse zwei Weltbekannte und in deren Qualität wohl einzigartigen Lebensmittel.
Damit meine ich zum einen natürlich den weissen Trüffel, welcher in dieser Intensität fast nur im Piemont vorkommt und zum anderen den Nebbiolo. Die Nebbiolo Traube ist eine Diva, ähnlich unserem Pinot Noir, welcher auch filigrane und mit grosser Aromenkomplexität bestückte Weine hervorbringen kann. Wenn konsequent auf die Qualität und den Mengenertrag im Rebberg bis zur idealen Vinifikation geachtet wird, dann können diese Weine lang anhaltende Geschmacks und Geruchseindrücke hinterlassen. Nebbiolo gibt es auch in anderen Regionen, jedoch kommen die Könige dieser Rebe aus Barolo und die Königinnen aus dem Barbaresco Gebiet.
Nicht zu verachten sind auch die Barberas aus der Region Asti und Alba, welche unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ein profunder Kenner der piemonteser Weine und vor allem der Barberas aus dem Asti Gebiet ist der Gastgeber des Castello di Villa, Peter Müller. Seine geführten Weindegustationen sind sehr empfehlenswert. Eine angenehme, sinnesöffnende Einstimmung auf das folgende, piemontesische Nachtessen. Dazu kann man den passenden Wein direkt im Weinkeller auslesen und zum Tisch nehmen.

Auch wenn uns in der Schweiz der weisse Trüffel und die Nebbiole Traube nicht eigen ist, haben auch wir sehr viele, wenn nicht eher mehr (speziell bezogen auf die Vielfältigkeit) hervorragende Agrarprodukte. Nur müssten wir diese auch in das richtige Rampenlicht rücken und dahinter stehen, dann könnten wir vielleicht auch noch mehr Gourmettouristen gewinnen. Jedenfalls war ich überrascht wie viel in den Gassen und Marktstände von Alba schweizerdeutsch, hochdeutsch, französisch und englisch gesprochen wurde, (eindeutig mehr als die einheimische Sprache).


Über die aromatischen Weine, den weissen Trüffel und die feinen piemontaisischen Pastas, welche ich manchmal nicht anders als reiner „Gaumensex“ betitle, könnte ich diesen Blog beliebig erweitern.

Zum Abrunden stelle ich noch zwei Weine einer meiner Weinproduzenten und ein Rezept vor.

Franco Molino und sein Bruder Dario, welche ich seit mehreren Jahren besuche produzieren immer bessere Weine. Schon bald wird es eine neue Weinlinie mit neuem Auftritt geben, diese werden die Qualitätssteigerungen in der Flasche untermauern.

Der Barbera d’Alba 2009 von Molino ist eine Fruchtbombe!
Die Farbe ist dunkel, ja fast schwarz und die schwarze Kirschenaromatik ist sehr vordergründig. Dazu gesellen sich Mandelaromen, Vanille und weitere Aromen von feinen Gewürzen.

Der Barabaresco 2009, hingegen ist eleganter, komplexer in der Aromatik und verfügt über ein bisschen langanhaltenderes Finale. Wie es sich für einen guten Barbaresco aus der Nebbiolo Traube gekelterten Wein gehört, sind auch die feinen Gerbstoffe und balsamisch anmutenden Aromen vorhanden.
Dieser Wein entfaltet seine Aromatik am besten, wenn er ein bis zwei Stunden vor dem Essen dekantiert wurde.

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