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Urs'Reise ins Bordeaux

veröffentlicht um 30.06.2014, 01:34 von Urs Messerli   [ aktualisiert: 30.06.2014, 05:58 ]

Ende Mai war ich eine Woche im Bordeaux. Ich habe viele tolle Eindrücke und schöne Weine mitgebacht.
Das Bordeaux hat viel zu bieten. Neben der wichtigen Weinindustrie mit Ihren 9000 (!) verschiedenen Weingütern ist auch die Küche der Gasgogne, welche vor allem den französischen Brasseriestil mit spürbaren Einflüssen der Baski-schen (Fisch)-Küche pflegt, eine Reise wert. Das Landschaftsbild ist geprägt von vielen Châteaus und zahllosen alten Rebstöcken sowie den Flüssen Garonne und Dordogne. Diese Flüsse, welche ins Meer münden, teilen das Bordeaux inklusive deren gleichnamigen Hauptstadt in zwei Teile „rive gauche“ und „rive droite“ und das „entre deux mers“ sind übergeordnete Weinherkunftszugehörigkeiten.


Ich durfte rund 14 verschiedene Châteaus besuchen, etliche Weine degustieren und in feinen Restaurants speisen. Ein Abstecher ins Bassin d’Arcachon mit seinen zahlreichen Austernbänken rundete die Exkursion königlich ab. Alle Weingüter hinterliessen bei mir bleibende Eindrücke. Neben den grossen Namen wie Cos d’Estournel, Ch. Figeac, Ch. Leoville Barton etc hat mich Pontet Canet. am Meisten beeindruckt. Dieses grosse Château arbeitet konsequent, vom Anbau bis zur Abfüllung, zertifiziert biologisch und sogar biodynamisch. Anstelle von Traktoren werden die Rebberge mit Pferden bewirtschaftet um den Boden nicht zu stark zu komprimieren. Die Gärung wird mittels wilden Hefen, welche sich in der Natur und auf den Traubenhäuten angesammelt haben, initiiert und das ohne das Zufügen von gezüchteter Industriehefe. Jedes Weingut hat seine speziellen Eigenheiten und diese werden frei von jeglicher Geheimniskrämerei offengelegt.

Zirka hundert Weingüter gehören zur Topliga. Um diese bemüht sich auch die Finanzindustrie, da die Weine schon fast astronomische und spekulative Preise auf dem Weltmarkt erzielen. Von den anderen 8900 Châteaus fristen viele ein eher bescheidenes Dasein und kämpfen mit ihren Weinen um Anerkennung und Marktanteile. Sie können sich vorstellen, wie viele Trouvaillen es noch zu entdecken gibt!

Zwei Persönlichkeiten haben es mir besonders angetan:

Zum einen Pascal Delbeck. Dieser höchst bescheidene Önologe, ist nicht nur eine internationale Grösse, er war „Winemaking-Director“ auf Château Ausone und später sogar Besitzer von Château Belair. Das Château Belair auf welchem er jahrelang als Önologe arbeitete, wurde ihm von der Besitzerin nach deren Ableben mangels Nachkommen vermacht. Weil jedoch der Staat zu hohe Steuern verlangte, musste er das Weingut verkaufen. Er war Berater für Abadia de Retuerta in Spanien, verhalf in der Türkei und in Ungarn verschiedenen Projekten zu Ruhm und Qualität. Heute betreibt er zusammen mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn ein unbekanntes Weingut: Château Tour du pas St. Georges. Diese Domaine ist eingebettet zwischen Pomerol und St. Emilion. Die Weine sind wenig bekannt und der Flaschen-Auftritt ebenfalls sehr bescheiden. Der Flascheninhalt hingegen sind absolut grosse, ehrliche Bordeaux-Weine von überragender Qualität.

Ausserdem freute ich mich sehr über den Besuch auf Château Mille Roses. Und das nicht nur des Namens wegen, sondern auch wegen dem Winzer David Faure und seiner Familie. Sie wohnen im Schlösschen und erledigen viele Arbeiten rund ums Château selber, und zwar in einer hochstehenden Qualität. Seit 2013 ist das Weingut Bio zertifiziert. Biodynamik gehört auch zum Thema. Die Weine sind sehr interessant, weil verschiedene Parzellen auf Margaux- und Haut-Médoc-Boden gedeihen und separat vinifiziert werden. Was für ein interessantes und differenziertes Ergebnis dieser Terroirweine! Ich freue mich sehr, seine Weine importieren und anpreisen zu dürfen!



Stéphane Rebollo hat mir das Bordeaux, seine vielfältigen Anbaugebiete und deren Weine nähergebracht. Jede Appellation hat ihre Eigenheiten. Hier nachfolgend drei markante Beispiele:

Haut-Médoc
Nordöstlich von Bordeaux entlang dem Fluss Gironde bis fast zur Mündung in den Atlantik
Vorwiegend kieshaltige Böden
Berühmte Cru Bourgeois mit interessantem Preis-Leistungs-Verhältnis
Traube Cabernet Sauvignon dominiert; spät reifende Traube zeichnet sich durch kräftige Tannine und starke Cassisaromen aus
Mildes Klima, Nähe zum Atlantik und die geschützte Lage bilden hervorragende Bedingungen für Winzer der Haut-Médoc


Margaux
Nördlich von Bordeaux am Ufer der Gironde in der Region Médoc
Sehr kleines Gebiet aber mit weltberühmten Weinen
Hauptsächlich drei Rebsorten: Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot
Kalksteinsockel, mit einer Sand- und Kiesschicht bedeckt.
Kiesschicht im Margaux ist sehr dick. Hohe Qualität der Weine aus dieser Re-gion
Weine zeichnen sich durch einen besonderen Schmelz und durch Finesse aus



Saint-Emilion
Östlich von Bordeaux am Fluss Dordogne

Erste Weinanbaugebiet der Welt, das zu einem Weltkulturerbe ernannt wurde
Überwiegend Merlot, etwas weniger Cabernet Franc, und Cabernet Sauvignon
Im Geschmack eher sanft aber körperreich


Die Weinbeschriebe und Preise finden Sie in der folgenden PDF-Datei oder besuchen Sie uns in der Mottastrasse 20, 3005 Bern.


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Urs Messerli,
02.07.2014, 11:55
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